Weinkarten beim Geschäftsessen verstehen & beherrschen

Das erste Geschäftsessen mit potenziellen Kunden oder Partnern steht an.
Obwohl Du in ihren Augen noch nicht der Platzhirsch bist – um Deinen Top-Interessenten zu beeindrucken und als langfristigen Kunden zu gewinnen, hast Du vielleicht in Gesprächen ein- oder zweimal Wein erwähnt.

Tipp vorweg: Wenn man Weine online für ein Business Dinner im eher kleineren Kreise kauft, oder vom Chef/ Kunden eingeladen wird, sollte man sich vorher informieren, was es zu essen gibt und was die persönlichen Präferenzen der Anwesenden sein könnten. Weine zu Essen passend aussuchen? Mit dem passenden Weinregal kein Problem mehr!

Weinkarten in Restaurants, die oft wenig verwertbare Informationen bieten und nach den Launen eines neuen Sommeliers oder Weinhändlers zusammengestellt sind, helfen dem Gast selten viel weiter. Doch dieser Nachteil kann leicht in ein Plus verwandelt werden, welches Deinen Ruf als kultiviertes und sachkundiges Abendessen steigert – selbst mit Weinkenntnissen, die eigentlich keine sind. Wenn der Kunde Dir also die Weinkarte überreicht und sagt: “Warum suchst Du nicht einen aus?”, dann wissen Deine Kollegen nicht, ob sie grinsen sollen. Doch: Deine Kollegen wollen die Weinkarte sicher nicht…

Entweder dreht sich Dir der Magen um bei der Erkenntnis, dass Du kurz davor stehst, als Betrüger entlarvt zu werden, oder, wenn Du diese fünf Schlüssel kennst, ergreifst Du die Gelegenheit und erntest Begeisterung.

Es geht ums Geschäft

Es ist geschäftlich, also kannst Du, während Du vielleicht die Rechnung bezahlst, die Ausgaben abschreiben. Mach Dich  nicht verrückt. Eine 400,00 € Flasche mag Dein inneres Ego ansprechen, aber dies ist kein Ort, um Deine Komplexe zur Schau zu stellen. Es geht nicht um die perfekte Wahl. Deine Weinauswahl macht oder zerstört den Abend nicht. Die Strategie ist einfach. Wähle einen unverwechselbaren Wein zu einem höheren als dem erwarteten Preis! Einige dieser Namen kommen mir bekannt vor, aber… hey, können wir nicht einfach alle ein Bier trinken? Ganz ruhig, jetzt. Nicht schlampig werden: Frag, was die Leute essen. Wenn die meisten Deiner Tischnachbarn Fleisch oder etwas ähnlich Herzhaftes erwähnen, ist alles klar: Rotwein.

Partner & Kunden beeindrucken

Leg Dich  nicht mit den Sorten an, die Du nicht kennst. Du verlierst den Kampf. Wenn Du einen Brunello nicht von einem Barolo unterscheiden kannst, nimm keine von beiden. Vergiss die Weine, bei denen Du Dir unsicher bist, und gehe direkt zu den Cabernet Sauvignons über.

Ja, ich weiß: Kunden zu unterhalten und zu beeindrucken kann ermüdend und ernüchternd sein, deshalb kommen hier jetzt noch

5 Weine, um bei einem Geschäftsessen WIRKLICH zu überraschen, ohne wie ein Snob oder ein Wannabe Sommelier auszusehen.

Jeder weiß, warum man wirklich vor Ort ist. Jeder weiß, dass es nur darum geht, Geschäfte zu machen. Und jeder weiß, dass die Person, die das Abendessen organisiert, wirklich etwas will.

Dieses Etwas ist, ziemlich oft einfach: GELD.

Trotzdem, wenn Du derjenige bist, der versucht zu beeindrucken, ist es am besten, sich nicht zu sehr anzustrengen. Oder, genauer gesagt, um gesehen zu werden, dass man sich zu sehr anstrengt. Deine Wahl des Restaurants allein wird schon etwas aussagen. Deine Wahl der Weine wird natürlich auch etwas aussagen. Es lohnt sich aber, darüber nachzudenken, welche Art von Weinen wirklich beeindrucken könnten…

Wenn Du Dich  dafür entscheidest, etwas sehr Teures und etwas Prätentiöses zu bestellen, wird sich Dein Kunde fragen, wie Du es Dir leisten kannst und ob das alles ein bisschen viel ist. Wähle stattdessen Weine aus, die vielleicht nicht so bekannt sind, die aber beim Öffnen eine angenehme Überraschung bereithalten.

Manchmal blüht ein Wein, der auf einen Schluck vielversprechend schmeckt, erst wirklich auf, wenn man etwas mehr davon intus hat. Hier sind nun  fünf nicht unbedingt berühmte Weine, die immer einen guten Job machen. Lehne Dich  also zurück und schau, ob Deine Kunden und Partner von Deinem überraschend guten, aber eigenwilligen Geschmack beeindruckt sind:

1. Pinhel Grande Escolha Síria (18er Jahrgang)

Ich habe den Eindruck, dass manche Weine einfach nur glücklich machen. Du fängst an, sie zu trinken und sie tanzen um Deinen Mund und suggerieren schöne Frühlingstage. Als Marco Silva, der Besitzer von Lissabons genial bescheidenem Restaurant Raízes in Lissabon, mir ein Glas Pinhel Grande Escolha Síria anbot, fragte ich mich, wovon er sprach. Doch da war ein portugiesischer Wein – die Traube ist manchmal als Roupeiro bekannt – der in meinem Mund einen Tanz aufführte. Wenn Deine Kunden Freude daran haben, ihn zu genießen, lehne Dich  zurück und flüstere: “Síria ist der Name”.

2. Buena Vista Count’s Selection Valdiguié (17er Jahrgang)

Dieses Weingut aus Sonoma ist so etwas wie ein Touristenort. Es behauptet, das erste Premium Weingut Kaliforniens zu sein. Wenn Du jedoch an der Vermarktung vorbeikommst, findest Du diese herrliche Flasche, die aus einer selten gesehenen Traube hergestellt wird. Es gibt nicht allzu viel Valdiguié in Kalifornien. Einige derer, die ihn einst besaßen, zogen es vor, ihn zu zerreißen, um Cabernet Sauvignon anzupflanzen. Da steckt mehr Geld drin. Dieser Buena Vista Count’s Selection Valdiguié gibt jedoch vor, ernsthaft zu sein, und präsentiert sich in Deinem Mund mit einer überraschenden Originalität. Versuche nicht, Deine Kunden mit einer Geschichte der Traube zu beeindrucken. Du solltest nur wissen, wie man sie ausspricht, wenn Deine zufriedenen Kunden fragen. “Val-Digg-i-ay.”

3. Jeriko Upper Russian River Pinot Noir (16er Jahrgang)

Ganz ehrlich, wie oft hast Du schon einen Wein aus Hopland getrunken? Wie viele Deiner Kunden haben überhaupt schon von Hopland gehört? Es ist eine sehr kleine Stadt nördlich von Sonoma und Healdsburg. Es ist eine Stadt mit zwei Weingütern, die zwei Brüdern – aus der Winzerfamilie Fetzer – nebeneinander gehören. Die Saracina, die unterhaltsam moderne Weine herstellt. Versuche nicht, Deine Kunden über die Nuancen des Brix at Harvest oder die Bio-Zertifizierung dieses Weins aufzuklären. Wenn sie über den Wein Deiner Wahl lächeln, schau Ihnen selbstsicher in die Augen und sage: “Ja, genau DER!”

4. Girard North Coast Petit Verdot (16er Jahrgang)

Deine Kunden werden Petit Verdot schon einmal getrunken haben. Nun, ein paar Prozent davon in einer Flasche Cabernet Sauvignon. Es ist jedoch viel seltener, eine ganze Flasche zu finden. Eine ganze Flasche, die Deinen Mund nicht überwältigt wie eine Beere mit einem strengen Japaleño im Inneren. Ich habe eine Flasche dieses Girard mit mehr als einer Person geteilt und dazu ein gutes Gericht mit Hühnchen. Perfekt!

5. Delinquente Bullet Dodger Montepulciano (18er Jahrgang)

Nein, ernsthaft. Würdest Du nicht auch einen Montepulciano namens The Bullet Dodger probieren wollen? Würdest Du ihn nicht noch mehr ausprobieren wollen, wenn ich Dir sage, dass er aus Australien kommt? Nun, dieser seltsam entzückende Rotwein ist ganz sicher nicht plump – mächtig leicht zugleich und bietet die Art von fröhlicher Überraschung, die das Abendessen zum Schwimmen bringen kann.

Wein verbindet Geschäftsleute!

Egal ob Fleisch, Meeresfrüchte oder Entrecôte – schon drei etwas teurere Weine werden eure Rechnung ordentlich in die Höhe treiben. Die Hälfte des Tisches wird es nicht (zu schätzen) wissen, aber die andere Hälfte wird von der Qualität Deiner Wahl und dem Vertrauen, mit dem Du sie getroffen hast, beeindruckt sein.

Gut und trotzdem preisbewusst mit Schaumwein auftrumpfen?

Unser Tipp: Wenn es mal eine echte Alternative zum Crémant sein soll, sind deutsche Sekte mit Qualität und Handwerk in der Herstellung dahinter eine gute Wahl – wie z.B. ein Menger Krug Sekt aus Hessen.

Und dann ist da noch der Pinot Noir – ein Wein, der fast jedem gefällt, der Standard Fallback. Pinot Noir kann teuer sein, aber wenn Du aus der oberen Hälfte der Preisspanne pflückst, wirst Du wahrscheinlich auch einen Gewinn in Form von Klienten an Land ziehen.

Übrigens: Pinot Noir gibt es auch als Pinot Noir Rosé – der besondere Genuss, falls man mal auf der Suche nach etwas Ausgefallenem zu Seezunge oder Hühnchen sucht.

Zum Schluss:

Du kennst die einzelnen Winzer nicht genau? Wen interessiert’s? Schau Dir die Preise an und Such Dir etwas aus, das 25 oder 30 Prozent über dem liegt, was Du wahrscheinlich ausgeben wolltest. Sollte es einen Überschuss an Fischliebhabern in der Gruppe geben, lass den roten Cabernet weg und schau Dir die Weißweine an. Punkt. Easy.

Sauvignon Blanc ist fast immer wunderbar, es sei denn, Du magst keinen grünen Pfeffer und keine Säure – viele mögen das nicht. Riesling kann umwerfend sein, aber ein Neuling weiß vielleicht nicht, ob er süß oder trocken ist. Unbekannter Weißwein kann zu blumig oder mineralisch sein. Vergiss das schicke Zeug und suche Dir einen erstklassigen Chardonnay aus Australien, Chile oder Südafrika aus. Du bekommst einen sauberen, nicht zu eichigen, nicht zu süßen oder trockenen und nicht zu teuren Wein, der zu fast jedem Fisch oder Geflügel passt.

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